«Das Einzige, was in der Schule noch fehlt, ist eine Schulbibliothek.» Mit diesem Satz kam unsere Tochter nach Hause, und das war für uns der Anfang einer spannenden Reise. Heute ist die Bibliothek mit rund 2000 Büchern seit einem Jahr in Betrieb und wird sehr rege genutzt. Das Projekt erhält viel Lob, und ein weiterer Ausbau ist bereits in Planung. Es waren sechs Punkte, die entscheidend für den Erfolg des Projekts waren.

Text und Fotos: Patricia und Simon Wohler


Erstens: Sorgfältige Projektierung
Ein Projekt dieser Grössenordnung – mit damals geplant 1000 Büchern und einem Budget von über 25’000 Franken – braucht eine sorgfältige Projektierung. Doch die beste Planung nützt wenig, wenn sie nicht den Bedürfnissen der Schule entspricht oder nicht gemeinsam getragen wird. Wir entwickelten deshalb zwei Varianten: Eine einfache Lösung, die mit wenig Aufwand starten und dynamisch wachsen konnte, und eine mutigere Variante mit professioneller Verwaltungssoftware, klarer Struktur und 2000 Büchern. Beide Varianten haben wir der Schule zur Auswahl vorgelegt. Diese entschied sich für die mutige Version, schlug aber vor, zunächst mit rund 1000 Büchern zu beginnen und bei guter Nutzung flexibel zu wachsen. Diese Idee empfanden wir als sehr gut – sie nahm uns auch etwas Druck.


Zweitens: Das Rad nicht neu erfinden
Wir hatten zwar keine Erfahrung mit dem Aufbau einer Bibliothek, doch andere haben sie. Also machten wir uns auf den Weg – und fanden Hilfe direkt in unserer Dorfbibliothek und in der Stadtbibliothek St. Gallen. Dort wurden uns sehr wohlwollend die Herausforderungen gezeigt und viele praktische Tipps gegeben. Zum Beispiel, dass schon bei 1000 Büchern eine Verwaltungssoftware nötig ist, um den Überblick zu behalten, wie man Bücher sinnvoll sortiert, oder dass es etablierte Standards für Altersklassen gibt.


Drittens: Ein breit abgestütztes Team und Wohlwollen
Nach der Konzeptphase und dem Entscheid für die mutige Variante begann die Umsetzung. Wir gründeten ein Bibliotheksteam, in dem Eltern, Schulleitung, Mitglieder des Vereinsvorstandes sowie Lehrpersonen vertreten waren. Diese breite Abstützung über alle Interessengruppen hinweg war entscheidend für das Gelingen des Projekts. Erstens konnten dadurch alle Beteiligten ihre Bedürfnisse, ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen – etwa bei der Raumfrage oder pädagogischen Überlegungen. Zweitens wussten so alle an der Schule, dass ihre Anliegen berücksichtigt sind und das Projekt von vielen mitgetragen wird. Drittens konnten wir die anfallenden Arbeiten auf verschiedene Arbeitsgruppen («Mittelbeschaffung», «Katalog», «Infrastruktur» und «Kommunikation») verteilen. Diese Organisationsform erwies sich als sehr effizient.


Viertens: Innenarchitektur mit Bedacht
Ob Kinder eine Bibliothek gerne besuchen, hängt wesentlich auch davon ab, wie der Raum gestaltet ist. Deshalb achteten wir besonders darauf, die Inneneinrichtung sorgfältig auf die organische Architektur des Gebäudes abzustimmen und ansprechend zu gestalten. Wir fertigten Regale aus massiven Fichtenholzplatten an, die dem Raum Wärme verleihen und sich harmonisch einfügen. Ergänzt wurden sie durch eigens entworfene Sitzmöbel: Zwei leichte, flexibel einsetzbare Elemente mit identischem Grundriss, aber unterschiedlicher Höhe, die sich mühelos zu kleinen Erzähl- und Leseinseln arrangieren lassen.


Fünftens: Finanzierung braucht aktiven
Einsatz

Die Finanzierung der Schulbibliothek erfolgte vor allem durch ein Crowdfunding. Dieses brachte zwar den grössten finanziellen Anteil, erwies sich jedoch als aufwendig und keineswegs als Selbstläufer. Die verwendete Plattform hatte ihre Eigenheiten, es musste ein Video erstellt werden und vor allem erforderte das Crowdfunding eine aktive, kontinuierliche Kommunikation. Ergänzend dazu kamen Beiträge von Stiftungen, grosszügige Rabatte auf Kinderbücher und Unterstützung verschiedener Firmen. Zudem erhielten wir viele wertvolle Bücherspenden von Eltern und lokalen Geschäften. So konnte das Projekt vollständig finanziert werden, ohne dass die Schule eigenes Geld einsetzen musste – ein entscheidender Punkt, denn ohne diese externe Finanzierung wäre das Projekt nicht realisierbar gewesen.


Sechstens: Unkomplizierter Betrieb
Die Bibliothek ist fix am Freitag geöffnet und wird von einem motivierten Elternteam bedient und gepflegt. Die Kinder besuchen dann klassenweise mit ihrer Lehrperson die Bibliothek. Zusätzlich nutzen die Lehrpersonen die Bibliothek auch regelmässig ausserhalb der Öffnungszeiten für Projekte, zur Ausleihe, Gruppenarbeiten etc. Dieses Konzept hat sich bewährt. Die Bibliothek ist Teil des Schulalltags geworden. Sie wird viel genutzt und wächst weiter. Ein erster Ausbau ist geplant, neue Ideen stehen im Raum.

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