80 Jahre Trubschachenwoche

Zum 80. Mal fand vom 5. bis 10. Oktober 2025 die Fortbildungswoche der Freien Pädagogischen Vereinigung (FPV) in Trubschachen statt. Die Teilnehmenden und ehemaligen Vorstandsmitglieder waren eingeladen, dieses Jubiläum mitzufeiern.

Text: Luzia Vonwil | Fotos: Freie Pädagogische Vereinigung


In den 80 Jahren, in denen es die Fortbildungswoche in Trubschachen nun schon gibt, hat sich die Welt immens gewandelt und beschleunigt. Was will werden? Kern der Arbeit, Impulse aus der Pädagogik Rudolf Steiners für die Staatsschulen zugänglich und fruchtbar zu machen, ist und bleibt zentrales Anliegen. Dennoch muss die Waldorfpädagogik weiterentwickelt werden, um den gegenwärtigen Herausforderungen gewachsen zu sein und zu pflegen, was uns gesund und lebendig erhält. – Denn es will noch Vieles werden!

Ihre Zukunftswünsche notierten die Anwesenden auf vielen bunten Papieraufklebern, die die Fenster der Aula für den Rest der Woche dekorierten. Ganz oben standen «Menschlichkeit» und «Mut».

Zum Einstieg der Jubiläumsfeier blickten wir zurück in die Vergangenheit mit Blitzlichtern aus persönlichen Erfahrungen und Anekdoten. Auch frühere Vorstandsmitglieder, wie zum Beispiel Marie-Louise Tardent Ingold, berichteten, wie die FPV ihr Leben und ihre beruflichen Möglichkeiten bedeutsam geprägt hat.

Für die Beleuchtung der gegenwärtigen Situation luden wir zu einem Podiumsgespräch ein: Was ist es, was die Pädagogik im Moment sucht und braucht? Vier Personen antworteten aus ihrer Perspektive heraus:

Jeremias Zeltner erzählte von seinen Oberstufenschülerinnen und -schülern in der Rudolf Steiner Schule Steffisburg. Die jungen Menschen wollen das Leben erleben, dabei begleitet werden und Gemeinschaft spüren. Er selbst als junger Lehrer sucht das Gleichgewicht zwischen den Idealen, nach denen er sich richten möchte, und den äusseren Gegebenheiten, die dies oft erschwerten.

Ruth Bigler führt in Bern eine Kindergartenklasse, in welcher die Kinder nicht gewohnt sind, Geschichten zu hören, fantasievoll zu spielen und eigene Ideen zu haben. Diese Fähigkeiten bringen die Kinder heute nicht mehr selbstverständlich mit. Mit unermüdlichem Dranbleiben lässt sich dennoch viel Erfreuliches entwickeln.


Tomáš Zdražil von der Freien Hochschule Stuttgart führte aus, dass sich unsere Umwelt in den letzten Jahren grundlegend verändert und beschleunigt hat. Auf diese Entwicklung müsse man beweglich mit heilenden Akzenten reagieren. Zdražil sieht Erlebnispädagogik, Theaterpädagogik, Waldpädagogik und die Erziehungspartnerschaft mit den Eltern als zentrale unterstützende Elemente an.

Dominik Rentsch vom Gaukler-Duo «Gilbert und Oleg» berichtete von seinem Schauspiellehrer, der die Schülerinnen und Schüler so lange Bäcker beobachten und spielen liess, bis alle Bäcker werden wollten. Anschliessend besuchten und spielten sie Lehrpersonen, bis alle Lehrpersonen werden wollten … Er zeigte damit auf, wie durch Begeisterung das Interesse an der Welt spielerisch geweckt werden kann. Dies mache er auch mit Kindern und Schulklassen, und es funktioniert!

Zum Abschluss der Jubiläumsfeier begegneten wir uns bei einem wunderbar angerichteten Apero riche.

Wie immer war auch die diesjährige Kurswoche dicht und reich an verschiedensten Angeboten. Die Hauptvorträge umkreisten das diesjährige Tagungsthema: Freiraum für die Entwicklung dessen, was da werden will. Christoph Hueck, Waldorfpädagoge und Dozent aus Tübingen, erläuterte die Idee der «Entwicklung des Kindes im Doppelstrom der Zeit». Er beschrieb, dass sich Entwicklung beim Kind von innen heraus vollziehen muss. Auf subtile Weise ist schon Individuelles angelegt, das in die Zukunft weist und sich verwirklichen möchte.

Gerda Salis Gross, Sonderpädagogin und Spielforscherin, erörterte den Begriff des Primären Spiels als Voraussetzung gesunder Entwicklung und illustrierte ihn mit berührenden Beispielen aus der Praxis.

Tomáš Zdražil bezog sich in seinen Ausführungen auf zahlreiche Strömungen der Gegenwart und umschrieb, warum eine Pädagogik des Selbstvertrauens und der Ermutigung heute essenziell ist.

Den Gegenpol zu den Impulsreferaten bildeten die praktischen Kurse. Es wurde gestichelt und geschnurpft, mit Ton plastiziert, Geschichten erfunden, gemalt, meditiert und getanzt. Waldpädagogik, Formenzeichnen, Primäres Spiel und Zirkuspädagogik waren ebenso Teil der Kursangebote.

Die wieder etwas gestiegene Anzahl der Teilnehmenden wirkt ermutigend. Es gilt auch für die Organisation, wach zu bleiben dafür, wie die Kurswoche «weiter werden will»!

Teile diesen Artikel