Bericht zur Bauepoche 2025 der 3.Klasse Rudolf Steiner Schule Birseck

Text: Sandra und Mathilda Widmer Beierlein | Fotos: Sonja Wagner


Wer will fleissige Handwerkerinnen und Handwerker sehn, der muss an die Birseckschule gehn. So ähnlich erklang es jeweils morgens vor Baubeginn während der Bauepoche. Doch von vorne: Die Planung der Bauepoche der 3. Klasse begann bereits Anfang des Schuljahres im August 2024. Am ersten Elternabend des Schuljahres wurde das Projekt von den beiden Klassenlehrpersonen vorgestellt, der Zeitraum von drei Wochen im Juni 2025 bekannt gegeben und die Mithilfe der Eltern angefragt. Es blieb somit viel Zeit für Vorfreude auf dieses besondere Projekt. Die Bauplanung übernahmen der Ehemann der Lehrerin sowie ein Schulvater, der Zimmermann ist. Viel Arbeit lief im Hintergrund, doch im Frühling wurde das Projekt mit dem Fällen einer Tanne auch gegen aussen sichtbar. Beim Besuch in der Sägerei folgte das Zersägen dieser Tanne in Bretter und in der Bauepoche wurden diese Bretter im Velounterstand verbaut. Die Kinder hatten so die Möglichkeit, den Bau von Grund auf mitzuerleben und tatkräftig mitzugestalten. Der folgende Text vereint Eltern- und Schülerinnenperspektive und ist zusammen mit meiner Tochter entstanden.

Im März 2025 fuhr unsere ganze Klasse mit unseren beiden Lehrpersonen nach Seewen. Dort trafen wir den Förster und gingen mit ihm zu unserer Tanne. Jetzt kam noch ein zweiter Förster dazu, der das Fällen übernahm. Wir durften ganz nahe heran und schauen, wie man den Fällkeil in die Tanne schlägt. Nachher mussten wir ein bisschen weggehen, damit wir nicht vom Baum getroffen wurden. Dann durfte man in den Wipfel schauen und man hat gut gesehen, wie der Wipfel langsam und immer schneller kippte. Die Äste, die im Weg waren, hörte man knicken, knacken und krachen. Schliesslich fiel die Tanne auf den Boden, was sich wie ein kleines Erdbeben anfühlte. Nun konnten wir die Tanne messen, sie war etwa 41 Meter lang. Dann durften alle Schülerinnen und Schüler eine kleine Tannenscheibe vom Baumstrunk mit nach Hause nehmen. Sie hatte einen wunderbaren Tannenduft.


Im Mai 2025 fuhr unsere Klasse in die Sägerei nach Seewen. Wir wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe stellte zuerst Lehmsteine her. Man musste Lehm abwägen und in eine Maschine schütten. Der Lehm wurde gepresst und dann kam ein fertiger Lehmstein heraus. Mit einem Nagel durften wir den eigenen Namen in den Lehmstein ritzen. Die andere Gruppe schaute währenddessen zu, wie unsere Tanne in Bretter zersägt wurde. Die Tanne war bereits für den Transport in ca. fünf Meter lange Stücke zersägt worden. Diese Stücke wurden nun in die Säge geschoben und der Stamm in Bretter zersägt. Diese fielen auf den Boden. Es war sehr laut. Im Anschluss wanderten wir zurück zum Bahnhof Grellingen und fuhren zur Schule zurück.

Eine Woche bevor die Bauepoche begann, durften abwechselnd immer fünf Kinder erste Arbeiten machen. Wir haben das Schnurgerüst gebaut, Löcher ausgegraben und Beton angemischt. Dann haben wir begonnen, die Fundamente zu betonieren.

Anfang Juni 2025 ging es los. Wir wurden in fünf Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe durfte an zwei verschiedenen Orten pro Morgen arbeiten. Die Holzgruppe sägte die Bretter und Balken zu und hobelte die scharfen Kanten ab. Die Baugruppe verwertete die Bretter und Balken der Holzgruppe und befestigte diese auf den betonierten Fundamenten. Die Webgruppe durfte ein Stiftmäppchen weben. Die Farben und Muster durfte jedes Kind selbst auswählen. In der Schreibgruppe wurden selbst Büchlein gemacht. Die Grösse, die Farbe und verschiedenen Verzierungen durften wir auswählen. In eines der Büchlein schrieben wir das Bauepochentagebuch, in einem anderen beschrieben wir, wie und wozu man welches Werkzeug brauchen kann. Auch die Znünigruppe war sehr wichtig. Vor dem Znüni stellten die Kinder ungefähr 90 Brötchen für die knapp 40 anwesenden Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen, Bauleiter und Eltern her. Diese wurden anschliessend im Holzofen des Schulgartens gebacken. Eine Schulmutter kümmerte sich jeden Morgen um das Feuer.

In der ersten Woche haben wir den Grundstein mit unseren Namen einbetoniert. Dann haben wir einen Tonbecher auf den Boden fallen lassen, damit die Scherben Glück bringen. Nach der ersten Woche konnte man schon die Umrisse des Velounterstandes erkennen. Erste Stütz- und Tragbalken standen. In der zweiten Woche haben wir die Latten angenagelt und Bretter verbaut. Gegen Ende der dritten Woche haben wir noch die letzten Latten befestigt. Damit die Ziegel halten, mussten zuerst Dachlatten befestigt werden. Wir transportierten die Ziegel zur Baustelle und deckten damit das Dach des Velounterstandes. An einem Morgen war das ganze Dach gedeckt! Jetzt war unser Velounterstand fertig. Es gab uns ein gutes Gefühl, so etwas geschafft zu haben.

Kinder, Lehrpersonen, Baumeister und Eltern trafen sich am letzten Samstag vor den Sommerferien zum feierlichen Einweihungsfest des neuen Velounterstandes. Auch die Lehmziegel fanden jetzt noch ihren Platz am Bauwerk. Die Idee aus dem Sommer 2024 ist damit ein Jahr später durch die Klassengemeinschaft Realität geworden.

Vom Rechnen zum Begreifen
Didaktisch bildete die Bauepoche die praktische Fortsetzung der vorangegangenen Rechenepoche zu den Masseinheiten. Beim Bau haben die Kinder Masse, Längen und Gewichte nicht nur berechnet, sondern nochmals im Zusammenhang begriffen. Durch die Dokumentation der Arbeiten wurde nicht nur der schriftsprachliche Ausdruck geschult, sondern auch der Wortschatz erweitert, das Formulieren geübt und die eigene Beobachtungsgabe gestärkt. So wurde Lernen über das gemeinsame Projekt ganzheitlich erlebbar.

Was im Wald bei der Tanne begann, steht nun als neuer Velounterstand auf dem Schulgelände. Am Montag nach der Einweihung konnte man beobachten, dass die Velos nun bevorzugt auf dieser Seite des Veloparkplatzes abgestellt wurden. Und wir kommen jetzt nicht mehr zu Fuss, sondern mit dem Velo zur Schule.

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