Text: Karin Michael | Foto: Marco Verch-ccnull.de

Schwachstellen haben wir dort, wo wir zu
wenig warm sind

Frida ist vier Jahre alt und liebt es, auch im November zuhause barfuss zu laufen. Gerade erst hat sie sich von einer Erkältung mit Mittelohrentzündung erholt, da entwickelt sie erneut Fieber und muss dauernd dringend auf die Toilette. Die Kinderärztin stellt einen Harnwegsinfekt fest. Die Mutter fragt, ob sie nun, wie schon im ersten Kindergartenwinter, wieder bis April einen Infekt nach dem anderen haben müsse. Wie könnte man der kalten Jahreszeit besser trotzen?
Die Kinderärztin erklärt, dass nach einer viralen Infektion das Immunsystem für zwei bis vier Wochen regelhaft schwächer ist als sonst, auch wenn man schon einen ganzen Infektwinter lang im Kindergarten sein Immunsystem trainieren konnte. Kälte ist dann ein zusätzliches Risiko. Blase, Atemwege und Ohren sind besonders anfällige Organe für Kälteeinwirkungen und unser Immunsystem arbeitet temperaturabhängig. Je niedriger die Körpertemperatur, desto leichter erwischt uns eine Erkältungskrankheit, insbesondere bei vorbestehender Schwäche, Stress, seelischer Belastung oder eben nach vorausgehenden Erkrankungen. Dann hält die Ärztin einen Vortrag über Wärme, gerät dabei in Begeisterung und endet, dass sie sogar Fieber lieben gelernt hat, da bei 39 – 40°C unser Immunsystem viel effektiver Eindringlinge bekämpfen könne, als bei kühlerer Körpertemperatur oder gar Untertemperatur bei Kälteexposition oder nach fiebersenkender Einnahme von Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen, von der sie daher nach Möglichkeit abrät. Viele Schmerzen lassen sich anders und durch Wärmeanwendungen behandeln. Das hatte Fridas Mutter gerade bei der warmen Zwiebelwatte (ein angewärmter kleiner Wattebausch mit paar Tropfen Zwiebelsaft, den man in das schmerzende Ohr legt) für die Ohrenschmerzen erfahren. Damit waren die Ohrenschmerzen schneller weg, als das Ibuprofenzäpfchen wirkte, das sie vom HNO-Arzt bekommen hatte.

Warum und wie Wärme schützt und hilft
Unsere Ich-Organisation ist mit dem Wärmeelement verbunden. Immunität und Individualität bilden sich psychologisch, neurologisch und immunologisch in Wärmeprozessen ab. Man spricht bei diesen interessanten Zusammenhängen im Organismus auch vom noch jungen interdisziplinären Forschungsfeld der Psychoneuroimmunologie. Wo wir unseren Willen betätigen, sportlich oder arbeitend aktiv sind, entstehen hohe Temperaturen wie bei der Verteidigung gegen Fremdorganismen in fieberhaften Erkrankungen. Warmes Essen und ein starkes Stoffwechselsystem wirken abwehrstärkend. Auch bei seelischer Begeisterungswärme und Positivität sind wir immunologisch besser gewappnet als in depressiver Verfassung. Eine humor- und liebevolle Atmosphäre zu pflegen, ist nicht nur schön, sondern auch seelisch und immunologisch ein realer Schutz vor Angriffen. Wärmeanwendungen, warme Kleidung, Bäder und warmes Essen unterstützen den Organismus und schützen vor Erkältungskrankheiten. Bei Kleidung gibt es noch immer keine Kunstfaser, die der Wolle von Schafen, Kamelen, Alpakas u. ä. den Rang ablaufen würde. Neben der harmonisch gehaltenen Wärme, wird auch Feuchtigkeit besser nach aussen abgegeben und so sekundäre Auskühlung durch Nässe verhindert. Aber nicht nur passiver Schutz, sondern regelmässige Bewegung an der frischen Luft mit guter Durchwärmung und Aktivierung von Immunsystem, Atmung und Durchblutung sind vorbeugend abwehrstärkend wirksam. Neben der wärmebildenden Bewegung ist es gerade die natürliche Umgebung mit einem guten vielfältigen Mikrobiom wie auf Demeter-Bauernhöfen oder im Wald, die das Immunsystem zusätzlich schulen und stärken.
Es gibt viele abwehrstärkende und entzündungshemmende Kräutertees, wie Calendula-Blüten, Thymian oder Zistrose. Wenn sie leicht bitter sind, sollte man sie bei Kindern nur vorsichtig und eigentlich ohnehin immer nur kurz gezogen einsetzen, um es ihnen nicht zu verleiden. Neben Tees schenken warme Mahlzeiten Wärme. Das gilt um so mehr, wenn sie aus möglichst vollwertigen Nahrungsmitteln, die dem Stoffwechsel altersentsprechend etwas Aktivität abverlangen, zubereitet sind. Zugleich sparen sie durch das Kochen Energie, so dass man sie bei geschwächten, kälteanfälligen Kindern auch dreimal täglich anbieten kann. Der wärmende Effekt kann durch Gewürze wie Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Meerrettich und mediterrane Kräuter verstärkt werden. Je jünger die Kinder sind, desto vorsichtiger ist man mit Schärfe. Ab dem zweiten Lebensjahr setzt man allmählich milde Kräuter und etwas Zwiebeln ein und steigert die Schärfe auch passend zu den kulturellen Gewohnheiten, die bei der Verträglichkeit eine Rolle spielen.

Beispiele für bewährte Mittel zur Stärkung der Wärme und Immunabwehr aus der
Anthroposophischen Medizin und Pflege:

Meteoreisen[1] morgens und mittags 5–10 Globuli (Wala) bei Erkältungsneigung und mangelhafter Durchwärmung
Levico comp. 3×5–10 Globuli (Wala) bei Erkältungs- und Bronchitisneigung
Echinacea/Argentum* morgens und mittags 5–10 Globuli (Wala) insbesondere bei Neigung zu Halsentzündungen
Argentum nitricum comp. 3×5–10 Globuli (Wala) bei Schnupfennasen und gleichzeitiger Neigung zu Blasenentzündungen
Sinudoron® Mischung (Weleda) 3×10–15 Tropfen bei wiederholten Nebenhöhlenentzündungen
Ingwertee stabilisiert die Wärme und ist so bei Vorbeugung von Erkältungen und Harnwegsinfekten hilfreich.
Solumöl® (Wala) Einreibung Beine, Füsse oder Rücken abends bei Anspannung, Einschlafstörung und Abwehrschwäche
Fusseinreibung mit Kupfer Salbe rot (Wala) bei Neigung zu Blasenentzündungen
Erneut möchten wir hier auf die wertvollen Anleitungen zur Stärkung des Organismus und zur vielseitigen wärmenden Behandlung nach Indikationen im Pflege-Vademecum der anthroposophischen Pflegefachkräfte hinweisen:
https://www.pflege-vademecum.de/indikationen.php


  1. Können wachmachend wirken. ↩︎

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