Der Bestseller «Generation Angst» von Jonathan Haidt ist ein Buch für Erwachsene. Das vorliegende Buch richtet sich nun direkt an Kinder und Jugendlichen selbst und ruft sie zum aktiven Widerstand und zur Rebellion gegen die «gierigen Giganten» auf, die ihnen Zeit und Energie stehlen, sie belügen, ihnen Freundschaften, Spass und Freiheit versprechen, aber nur Einsamkeit, Angst und Kontrolle zur Folge haben. Cynth Yuan Cheng hat das Buch im Comic-Stil bunt illustriert, mit viel O-Ton, die Textteile sind kurz – was den Geschmack der jungen Leute getroffen zu haben scheint – innerhalb kürzester Zeit gab es eine zweite Auflage.
Die «gierigen Giganten» sind nur an einem interessiert: Daten – und die machen sie zu Geld. Die Lebenszeiträuber sind nicht daran interessiert, menschliche Beziehungen in der analogen Welt zu pflegen. Viele ältere Jugendliche berichten in dem Buch, dass sie es bereuen, so viel Zeit online verbracht zu haben – und raten inzwischen den jüngeren, Tiktok, Instagram und Snapchat nie herunterzuladen. Dass es Alternativen zur digitalen Lebenswelt gibt, hatte sie damals nicht interessiert – sie waren süchtig. «Brain hacking» nennen die App-Entwickler die gezielte Manipulation des Gehirns, die dazu führt, dass die Nutzer Sachen machen, die sie gar nicht wollen. Daran sind die Eltern nicht unbeteiligt. Viele Kinder sind im echten Leben überbehütet, aber online unterbehütet. Doch die Allgegenwart und Selbstverständlichkeit wie oft und wann auf das Handy oder Bildschirm geschaut wird, leben die Erwachsenen vor.
Das Buch klärt auf: Wie verlief die technische Entwicklung der Medien? Wie kam es von einer spielzentrierten zu einer handyzentrierten Kindheit? Wie veränderten Smartphones das Kommunikationsverhalten, die Selbst- und Weltwahrnehmung, unabhängig von Zeit und Raum und konkreten menschlichen Konstellationen? Wie kommt es zur Handysucht (die ein erklärtes Ziel der Entwickler ist) und was sind die Folgen für die psychische Gesundheit, insbesondere bei mehrstündiger Nutzung von Social Media?
Das Buch gibt viele praktische Tipps, wie man ohne Handy wieder in den Spiel- oder Entdeckermodus kommen kann. Studien belegen: Weniger Social Media macht glücklicher und weniger einsam. Da muss man also erst wieder üben, echte Freundschaften von Followern unterscheiden zu lernen. Es gibt Übungen zur Verbesserung der Aufmerksamkeit und Konzentration, zu Sport- und Bewegungsspielen und zur Bekämpfung von FOMO (Fear Of Missing Out) und Tipps für digitalen Detox. Darüber hinaus Wahrnehmungs- und Sinnesschulungen – was sehe, höre, rieche, fühle ich?
Um ihr Verhalten tatsächlich ändern zu können, wird eine Menge Selbstreflexion von der angesprochenen Generation Alpha (ab 2013) gefordert: Mache ich etwas nur für andere oder für mich? Will ich performen oder leben, wie ich bin? Macht mir etwas wirklich Spass? Wie fühle ich mich danach? Dabei können Eltern, Lehrer oder andere «aufständische» Peers unterstützen. Leider sind die weiterführenden Webseiten nur englischsprachig. Es scheint Zeit, dass sich ein deutscher Ableger der «Rebellen» organisiert.
Mathias Maurer
Jonathan Haidt, Catherine Price: Generation Glücklich. Dein Handbuch für mehr Spass und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme, kart., 240 S., EUR 24,90, Zuckersüss Verlag, Berlin 2026

