In der Einleitung dieses ausserordentlich reich bebilderten Buches – eine Projektarbeit des Autors – heisst es: «Unsere heutige Welt ist in ihren Zusammenhängen schwer durchschaubar geworden (…)» Diese «müssen heute mehr und mehr durch das abstrahierende Denken erschlossen werden. Das hat dazu geführt, dass schulisches Lernen sich an das intellektuelle Vermögen der Schulkinder wendet». Was es aber brauche, ist, die gleichwertige Ausbildung aller menschlichen Kräfte auszubilden: Lebendiges Vorstellen, differenziertes Empfinden und tatkräftiges Handeln, die jeweils einer bewussten pädagogischen Zuwendung bedürfen. «Das Denken sollte stets durch das Handeln korrigiert und überprüft werden können. Das Handeln sollte im wachen Begleiten durch das Denken geschehen. Und sowohl das Denken als auch Handeln sollten immer getragen sein von warmherziger Empfindung.» Dieser Ansatz bildet die pädagogische Grundlage des 1981 begründeten Schülerhofes in Schloss Hamborn, wo Schul- und Kindergartenkinder im Jahreslauf mit Pflanzen und Tieren zusammenarbeiten.
Es beginnt mit einem Porträt des Schülerhofes von seinen Anfängen bis heute, führt uns auf einen reich bebilderten Rundgang durch das Gelände mit seinen Gebäuden und ihren dort arbeitenden Menschen, durch die Ställe mit den Tieren, durch die Gärten und Äcker mit ihren Pflanzen und Bäumen und wie die Kinder und Jugendlichen der Klassen 1 bis 11 daran in unterschiedlicher Weise unterrichtlich und ausserunterrichtlich vom Morgen bis zu Nachmittag, am Wochenende und in den Ferien teilhaben und ihren aus pädagogischer Sicht ungemein wertvollen Beitrag für diesen Hoforganismus leisten. Sei es in der Tier- und Landschaftspflege, in der Imkerei, beim Brennholz machen oder auf dem Hühnerhof, beim Säen oder Auspflanzen, beim Mähen oder bei der Ernte und ihrer Verarbeitung, bei der Wollverarbeitung, beim Saftpressen, Kochen und Einmachen, Backen und Essen – überall sind Kinder- und Schülerhände mit am Werk.
Ein Hof ist ein landwirtschaftliches Unternehmen, das profitabel laufen muss; eine Schule ist ein pädagogisches Unternehmen, das ebenso auf seine Weise produktiv arbeiten und wirtschaften muss. Ein Schülerhof sitzt in dieser Hinsicht zwischen allen Stühlen: Weder aus landwirtschaftlicher noch aus pädagogischer Sicht ist er ein «Need to have», sondern ein «Nice to have». Deshalb muss er mit guten Gründen von Pädagogen und Landwirten gleichermassen als Win-Win-Situation erlebt und unterstützt werden, weil ein Schülerhof ein wertvoller Beitrag für eine ganzheitliche und gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen darstellt, die spüren, wie wichtig ihre Tätigkeit für den Erhalt und das Gedeihen des Hofes ist.
Für Höfe, die sich pädagogisch, für Schulen, die sich landwirtschaftlich erweitern wollen, ist dieses «Bilderbuch» ein Muss.
Mathias Maurer
Volker Fritz: Der Schülerhof Schloss Hamborn. Eine Verbindung von Pädagogik und Landwirtschaft. Hardcover, 128 S., mit 496 Farbfotos, EUR 25,–, Verlag Ch. Möllmann, Borchen 22024 (auch zu beziehen über www.inekes-laedchen.de).

